Lasst euch mit Gott versöhnen

Eine Anregung von Kardinal Martini
Feier der Versöhnung im Beichtgespräch

Mit dem Hinweis, dass das lateinische Wort „confessio“ ja nicht bloß „beichten“, sondern auch „loben, bekennen, preisen“, bedeutet, empfiehlt Kardinal Martini von Mailand folgende 3 Schritte für ein Beichtgespräch:

1. Lobpreis. Statt die Beichte damit zu beginnen, dass man sagt: „Ich habe diese und jene Sünde getan“, kann man sagen: „Herr, ich danke dir“, und vor Gott das äußern, wofür man dankbar ist. Wir haben ja viel zu wenig Achtung vor uns selbst. Die Dankbarkeit bringt mich in eine besondere Nähe zu Gott, dem gütigen Vater. Ich bin dann nicht mehr der, der irgendeine Sünde bekennt, damit sie getilgt wird, sondern dann bin ich der, der vor Gott, den Vater seines Lebens kommt, und z. B. sagt: „Ich danke dir, weil du mich in dieser Zeit Versöhnung mit einem Menschen erfahren ließest, mit dem ich nicht gut auskam. Ich danke dir, weil du mir Gesundheit geschenkt hast. Ich danke dir, weil du mir das Gebet als etwas für mich Wichtiges neu erfassen ließest…“

2. Lebensbekenntnis. Es ist ein Lebensbekenntnis, nicht einfach eine Aufzählung meiner Sünden. Die Hauptfrage: „Was seit meiner letzten Beichte hätte ich lieber nicht getan? Was verursacht mir Unbehagen?“ Ich befasse mich nicht nur mit den Sünden selbst – „Ich habe das getan; ich verhalte mich schlecht“ -, sondern ich gehe an die eigentliche Wurzel. „Herr, ich verspüre in mir unüberwindliche Abneigungen… Sie machen mich missgelaunt und verleiten mich zu bösen Bemerkungen. Ich möchte davon geheilt sein. Herr, ich verspüre in mir immer wieder Versuchungen, die mir keine Ruhe lassen. Ich verspüre in mir Trägheit, Widerwillen, Unlust zum Gebet; ich verspüre in mir Zweifel, die mich in Beschlag nehmen…“ Wenn es uns in einem solchen Lebensbekenntnis gelingt, etwas von den tiefsten Gefühlen und Regungen zum Ausdruck zu bringen, die uns belasten und von denen wir lieber nichts wissen möchten, dann sind wir zu den Wurzeln unserer Verfehlungen vorgedrungen und erkennen uns als das, was wir in Wirklichkeit sind: ein Bündel von Wünschen, ein Vulkan von Leidenschaften und Gefühlen, von denen einige gut oder gar sehr gut sind, andere aber so schlimm, da sie einfach belasten. Ressentiments, Verärgerung, Bitterkeit, Spannungen, krankhafte Wünsche, die uns nicht gefallen, bringen wir zu Gott und sagen: „Schau, ich bin ein Sünder. Du allein kannst mich retten. Du allein kannst meine Sünden tilgen…“

3. Glaubensbekenntnis Es nützt nicht viel, wenn wir uns auf die eigene Anstrengung verlassen. Unser Vorsatz muss sich mit einem tiefen Akt des Glaubens an die heilende und läuternde Macht des Gottesgeistes binden. Beichten heißt nicht bloß, die Sünden auf den Tisch legen, so wie man das mit einer Geldsumme tut. Beichten heißt, unser Herz in das Herz Christi legen, damit er es mit seiner Macht umwandelt. In der „confessio fidei“ sagen wir also zum Herrn: „Herr, ich weiß, dass ich unzuverlässig bin, dass ich schwach bin, dass ich beständig in Gefahr bin, zu fallen. Heile meine Gebrechlichkeit durch dein Erbarmen, lass mich sehen, welche Vorsätze ich fassen muss, um meinen guten Willen, dir Freude zu machen, zum Ausdruck zu bringen.

aus: Carlo M. Martini, Es ist der Herr, Herder