Spirituelle Texte & Anregungen

Anregungen zum persönlichen Gebet

Rosen der Liebe – Die 7 Werke der Barmherzigkeit heute

Du gehörst dazu
Auch wenn du vielleicht nicht „in“ bist,
auch wenn du dich überflüssig fühlst,
auch wenn du nicht mithalten kannst:
Für Gott bist du kostbar und wertvoll!
Und das will ich dich spüren lassen.

Ich höre dir zu
Auch wenn so vieles mich ablenken will,
auch wenn ich gern lieber selbst reden würde,
auch wenn ich selbst „randvoll“ bin:
Du bist mir wichtig!
Und das will ich dir zeigen, indem ich dir aufmerksam zuhöre.

Ich rede gut über dich
Auch wenn die anderen losschimpfen,
auch wenn es mir schwerfällt, nicht mitzumachen,
auch wenn ich deine Schwächen kenne:
Ich weiß um deine Würde!
Und deshalb will ich das Gute in dir sehen und zur Sprache bringen.

Ich gehe ein Stück mit dir
Auch wenn es mich etwas kostet,
auch wenn ich selbst Sorgen genug habe,
auch wenn ich selbst nach dem Weg suchen muss:
Ich will dir Nähe schenken.
Und darum begleite ich dich.

Ich teile mit dir
Auch wenn ich selbst nicht viel habe,
auch wenn es einen Verzicht bedeutet,
auch wenn ich nicht weiß, wie du reagieren wirst:
Ich will mir deine Not zu Herzen gehen lassen.
Und deshalb gebe ich dir etwas von mir.

Ich besuche dich
Auch wenn ich nur wenig Zeit habe,
auch wenn ich mir einen Ruck geben muss,
auch wenn noch so viel anderes zu tun wäre:
Du sollst wissen, dass jemand an dich denkt.
Und darum mache ich mich auf zu dir.

Ich bete für dich
Auch wenn es dir vielleicht fremd ist,
auch wenn es mich Mut kostet, dir das zu sagen,
auch wenn du es kaum glauben kannst:
Gott hat einen Plan für dein Leben.
Und ich bitte ihn, dass du seine Liebe darin entdecken kannst.

Sr. M. Caja Bernhard
Aus: BEGEGNUNG – Zeitschrift aus Schönstatt für Frauen, 2/2007
www.zeitschrift-begegnung.de


Lasst euch mit Gott versöhnen… eine Anregung von Kardinal Martini
Feier der Versöhnung im Beichtgespräch

Mit dem Hinweis, dass das lateinische Wort „confessio“ ja nicht bloß „beichten“, sondern auch „loben, bekennen, preisen“, bedeutet, empfiehlt Kardinal Martini von Mailand folgende 3 Schritte für ein Beichtgespräch:

1. Lobpreis. Statt die Beichte damit zu beginnen, dass man sagt: „Ich habe diese und jene Sünde getan“, kann man sagen: „Herr, ich danke dir“, und vor Gott das äußern, wofür man dankbar ist. Wir haben ja viel zu wenig Achtung vor uns selbst. Die Dankbarkeit bringt mich in eine besondere Nähe zu Gott, dem gütigen Vater. Ich bin dann nicht mehr der, der irgendeine Sünde bekennt, damit sie getilgt wird, sondern dann bin ich der, der vor Gott, den Vater seines Lebens kommt, und z. B. sagt: „Ich danke dir, weil du mich in dieser Zeit Versöhnung mit einem Menschen erfahren ließest, mit dem ich nicht gut auskam. Ich danke dir, weil du mir Gesundheit geschenkt hast. Ich danke dir, weil du mir das Gebet als etwas für mich Wichtiges neu erfassen ließest…“

2. Lebensbekenntnis. Es ist ein Lebensbekenntnis, nicht einfach eine Aufzählung meiner Sünden. Die Hauptfrage: „Was seit meiner letzten Beichte hätte ich lieber nicht getan? Was verursacht mir Unbehagen?“ Ich befasse mich nicht nur mit den Sünden selbst – „Ich habe das getan; ich verhalte mich schlecht“ -, sondern ich gehe an die eigentliche Wurzel. „Herr, ich verspüre in mir unüberwindliche Abneigungen… Sie machen mich missgelaunt und verleiten mich zu bösen Bemerkungen. Ich möchte davon geheilt sein. Herr, ich verspüre in mir immer wieder Versuchungen, die mir keine Ruhe lassen. Ich verspüre in mir Trägheit, Widerwillen, Unlust zum Gebet; ich verspüre in mir Zweifel, die mich in Beschlag nehmen…“ Wenn es uns in einem solchen Lebensbekenntnis gelingt, etwas von den tiefsten Gefühlen und Regungen zum Ausdruck zu bringen, die uns belasten und von denen wir lieber nichts wissen möchten, dann sind wir zu den Wurzeln unserer Verfehlungen vorgedrungen und erkennen uns als das, was wir in Wirklichkeit sind: ein Bündel von Wünschen, ein Vulkan von Leidenschaften und Gefühlen, von denen einige gut oder gar sehr gut sind, andere aber so schlimm, da sie einfach belasten. Ressentiments, Verärgerung, Bitterkeit, Spannungen, krankhafte Wünsche, die uns nicht gefallen, bringen wir zu Gott und sagen: „Schau, ich bin ein Sünder. Du allein kannst mich retten. Du allein kannst meine Sünden tilgen…“

3. Glaubensbekenntnis Es nützt nicht viel, wenn wir uns auf die eigene Anstrengung verlassen. Unser Vorsatz muss sich mit einem tiefen Akt des Glaubens an die heilende und läuternde Macht des Gottesgeistes binden. Beichten heißt nicht bloß, die Sünden auf den Tisch legen, so wie man das mit einer Geldsumme tut. Beichten heißt, unser Herz in das Herz Christi legen, damit er es mit seiner Macht umwandelt. In der „confessio fidei“ sagen wir also zum Herrn: „Herr, ich weiß, dass ich unzuverlässig bin, dass ich schwach bin, dass ich beständig in Gefahr bin, zu fallen. Heile meine Gebrechlichkeit durch dein Erbarmen, lass mich sehen, welche Vorsätze ich fassen muss, um meinen guten Willen, dir Freude zu machen, zum Ausdruck zu bringen.

aus: Carlo M. Martini, Es ist der Herr, Herder


Der Papst hat das weltweite Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Was bedeutet dieses Jahr für uns? Fragen an Schwester Gudrun Steiß, Leiterin der Pastoralen Dienststelle im Erzbistum Hamburg.

Barmherzigkeit ist ein weiter Begriff. Was bedeutet dieses Wort für Sie?

Mich wundert, dass das Wort Barmherzigkeit bei vielen Menschen negativ besetzt ist. So, als sei Barmherzigkeit etwas, das die Guten gar nicht brauchen, sondern nur die „anderen“. Für mich ist Barmherzigkeit etwas ganz anderes. Im lateinischen „Misericordia“ stecken die Worte Leid und Herz: Im Herzen Gottes ist Platz für alle unsere Leiden und Nöte. Ich kann diese Last dem Herzen Gottes übergeben und seiner heilenden Liebe anvertrauen. Darum geht es.

Barmherzigkeit verbinden wir mit einer sozialen Haltung, in den Texten zum Heiligen Jahr stehen eher Buße und Versöhnung im Vordergrund. Was ist wichtiger?

Das ist für mich ein und dasselbe. Buße und Beichte heißt ja nicht, Sünden aufzuzählen und mit guten Taten zu verrechnen. Es geht darum, mich dem Antlitz des liebenden Vaters zuzuwenden – egal wie mein Leben aussieht. In dieser Begegnung findet Vergebung statt. Es wird heil, was verletzt ist und geheilt werden muss. Das bedeutet dann auch, dass wir uns selbst Menschen zuwenden, die in Not sind und ihnen die Liebe schenken. Und zwar ganz zweckfrei und ohne Eigennutz. Die vielen Freiwilligen in der Flüchtlingsarbeit geben dafür ein eindrucksvolles Beispiel.

Was soll das Jahr der Barmherzigkeit bewirken?

Es bietet uns die Gelegenheit, eine wesentliche Seite unseres Glaubens zu vertiefen und darüber zu sprechen – nicht nur innerhalb der Kirche sondern mit allen, mit denen wir zusammenarbeiten und leben. Das besondere Jahr bietet dafür viele Anknüpfungspunkte. Aber sein Anliegen ist natürlich nicht zeitlich begrenzt.

Interview: Andreas Hüser, Neue KirchenZeitung


Gott – barmherzig und gerecht

sandsteinreliefIm Baseler Münster ist auf einem Sandsteinrelief aus dem 12. Jahrhundert auf wunderbare Weise ins Bild gesetzt, was im Wort von der Barmherzigkeit Gottes zum Ausdruck kommt. Der Titel lautet: „Der Arme und die Barmherzigkeit“. Der Arme ist links im Bild zu sehen, abgemagert bis auf die Rippen. Leer blicken seine Augen in eine ungewisse Zukunft. Doch der Arme steht nicht alleine da: Eine Frau nimmt sich des Armen an und hat ein Herz für den Menschen in Not. Sie ergreift die rechte Hand des Armen und legt sie auf ihre Brust; so als würde sie damit sagen:

„Deine Not und deine Lebenssituation rühren mich im Innersten, bis tief in mein Herz.“

In diesem Bild lässt sich entdecken, dass echte Barmherzigkeit etwas Anderes ist, als oberflächliches oder kurzfristiges Mitleid. Die Barmherzigkeit lässt sich von der Not des Armen tief im Herzen anrühren. Wie im Bild zu sehen ist, folgt aus dieser empathischen Einfühlung der nächste Schritt. Die Barmherzigkeit führt den Armen aus dem Elend heraus und eröffnet ihm einen neuen Weg, sie zeigt eine neue Perspektive auf, so wie es der Zeigefinger deutlich macht!

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(Der Text ist entnommen: Jens Ehebrecht-Zumsande, Zärtlich und gewaltig ist Gott. © 2013, Kösel-Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH)