Sakrament der Buße für Jugendliche

Beich|te
Eine Einladung,
Dein Leben zu ordnen.

→ Beichte – Handreichung zum Jubiläum der Barmherzigkei (PDF)

So wie es von Zeit zu Zeit gut ist, das Zimmer aufzuräumen, so ist es auch hilfreich, das eigene Leben in den Blick zu nehmen und zu ordnen. Drei Kriterien, nach denen Du in Deinen Leben Ordnung schaffen kannst, möchte ich Dir heute an die Hand geben. Eine Möglichkeit ist, am Abend auf den Tag zu schauen und nach einer der Leitfragen den Tag zu betrachten. Die Gedanken, die Dir kommen kannst Du zum Beispiel in einem Tagebuch aufschreiben. Außerdem (oder stattdessen) kannst Du Dir eine längere Zeit freinehmen und entlang der drei Leitfragen einmal auf Dein Leben in der jüngeren Vergangenheit schauen, etwa im letzten halben Jahr. Wenn Du Dir die Zeit dazu nimmst, schaffe die richtige Atmosphäre. Äußere Ordnung erzeugt auch innere Ruhe. Sorge dafür, dass Dich niemand stört, schalte das Handy und den Computer aus, schaffe Ordnung an dem Platz, wo Du selbst zur Ruhe und Ordnung finden willst.

Versuche ruhig und still zu werden und alles loszulassen, was Dich noch beschäftigt und unruhig macht. Dazu kann es helfen ruhig ein- und auszuatmen. Mache dann das Kreuzzeichen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Mit einem kurzen Gebet bitte Gott, dass die Übung gelinge. Etwa mit diesem Gebet:

Gott,
Du hast mich geschaffen, doch ich kenne Dich kaum.
Du liebst mich – und doch bist Du mir oft fremd.
Sag mir, wer Du für mich bist und was Du für mich bedeutest.
Lehre mich Dich erkennen, Dich verstehen, Dich lieben.
Amen.

Betrachte dann einen Teil der Fragen. Lies sie in Ruhe und nimm Dir für jede einzelne etwas Zeit, um sie zu beantworten. Wenn Dir nichts einfällt, warte trotzdem einen Moment, bis Du zur nächsten Frage weiter gehst. Ich überlege, was mit im Leben Halt gibt:

  • Wer ist Jesus Christus für mich?
  • Was ist mein grundlegendes Lebensgefühl?
  • Was zeigt mir meine Geschichte meiner Beziehung zu Gott, zu mir selber, zu den anderen?

Ich überlege, welche Haltungen mein Leben ausmachen:

  • Stagniert mein Leben in Wiederholung und Langeweile
    oder wächst es?
  • Wie nehme ich meine Grenzen (z.B. Begabungen, Vorgeschichte, Lebensraum) an?
  • Wie sieht meine Wertehierarchie aus?
  • In wieweit lebe ich meine Verantwortlichkeit (in Treue zu mir selber, in Aufgaben und Beziehungen)?

Ich überlege, wie mein Verhalten aussieht:
… in Gedanken, Worten und Werken:

  • Welche Rolle spielt Gott gerade in meinem Leben?
  • Bin ich dankbar für das Geschenk meines Lebens?
  • Wie verhalte ich mich meinen Nächsten gegenüber?
  • Bringe ich meine Talente in die Gemeinschaft ein?
  • Wie gehe ich mit meinen Gefühlen um?
  • Habe ich Böses getan?
  • Habe ich es unterlassen, Gutes zu tun?

Wenn Du fertig bist, versuche Deine Gedanken im freien Gebet vor Gott zu bringen: Danke ihm für diese Zeit in seiner Gegenwart. Bitte ihn um seine verzeihende Liebe, wo Du Fehler begangen hast. Ein solches Gebet kannst Du mit dem Vaterunser und dem Kreuzzeichen abschließen.

Wenn Du auf diese Weise auf Dein Leben geschaut hast, kann es sein, dass Du Dein Leben ganz bewusst mit seinen Höhen und Tiefen vor Jesus tragen möchtest. Er hat ja am eigenen Leib erfahren, was das Leben bedeutet. Ein Priester vertritt seine Stelle. Im Namen Jesu spricht er Dir die Vergebung zu, wenn Du schuldig geworden bist.

WIE GEHT DAS KONKRET?

Erkundige Dich, wann in Deiner Kirche Beichtzeiten sind oder vereinbare mit einem Priester Deines Vertrauens einen Termin. Sage ihm, worum es geht, damit er sich Zeit für Dich nehmen kann. Bevor Du den Beichtraum oder Beichtstuhl betrittst, setze Dich einen Augenblick in Ruhe in die Kirche, ähnlich wie bei den Übungen am Ende des Tages. Bitte Gott um einen klaren und ehrlichen Blick auf Dein Leben. Dann kannst Du noch einmal die drei Leitfragen betrachten. Wenn Du meinst, jetzt beichten zu wollen, geh in den Beichtstuhl und beginne mit dem Kreuzzeichen. Ein kurzer Hinweis kann dem Priester helfen, auf Dich und Deine Situation einzugehen:

Ich bin … Jahre alt. Meine letzte Beichte war …

Nun kannst Du Dein Bekenntnis beginnen. Zu einem dreifachen Bekenntnis bist Du eingeladen:

Ich bekenne Gott meinen Dank

  • für das Geschenk meines Lebens
  • für das Geschenk der Taufe
  • für meine Talente und Fähigkeiten
  • für …

Ich bekenne Gott meine Sünden

  • Versuche sie zu ordnen
  • Was scheint mir am schwerwiegendsten?

Ich bekenne Gott meinen Glauben.

  • Gott, ich glaube, dass Du mich liebst und mich annimmst, wie der barmherzige Vater seinen Sohn wieder angenommen hat.
  • Ich glaube, dass Du mir die Schuld vergeben kannst.

Vielleicht antwortet der Priester auf Dein Bekenntnis. Damit will er Dir helfen, nun einen neuen Weg einzuschlagen. Dazu wird er mit Dir über Deinen Vor|satz sprechen. Er wird Dir auch eine Bu|ße aufgeben, das heißt: eine kleine Übung, in der zum Ausdruck kommt, dass Du Dich bessern möchtest. Am Ende des Gespräches kann ein kurzes Gebet stehen. Dann spricht Dir der Priester im Namen Gottes die Ver|ge|bung zu: Gott, der barmherzige Vater hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Du antwortest: Amen. So soll es sein! Ich nehme das Geschenk Gottes in Freude und mit Dankbarkeit an. Nun kannst Du noch einen Moment in der Kirche bleiben und Gott danken, dass er Dir diesen Weg der Umkehr und Neuorientierung ermöglicht hat. Wenn Du die Kirche verlassen hast, tu Dir etwas Gutes, Du hast allen Grund zu feiern. Der barmherzige Vater sagt zu dem älteren Bruder: „Jetzt müssen wir uns freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.“ (Lukas 15,32)

Ich freue mich mit Dir,
Dein Jugendpfarrer
Tobias Sellenschlo