Jubeljahr

Im Alten Testament orientierte sich die Erwartung eines Jubeljahres (auch Erlass – oder Befreiungsjahr) – das nach 49 Jahren, also siebenmal sieben Jahre, gefeiert wurde – an der Vorstellung, dass dann jeweils die Geschichte einen neuen Anfang mache. Dabei wurde insbesondere nach Ex 23, 10 f., Lev 25, 1-28 und Dtn 15, 1-6 die Verpflichtung zur Freilassung von Sklaven geregelt. Darauf verwies Johannes Paul II. mit Blick auf das heilige Jahr 2000:

„Das Jubeljahr sollte die Gleichheit zwischen allen Söhnen und Töchtern Israels wiederherstellen, indem es den Sippen, die ihren Besitz und sogar die persönliche Freiheit verloren hatten, neue Möglichkeiten eröffnete. Die Reichen hingegen erinnerte das Jubeljahr daran, dass die Zeit gekommen war, wo die israelitischen Sklaven, die ihnen wie der gleich geworden sind, ihre Rechte würden einfordern können.”

Das Alte Testament differenzierte dabei in Sabbat – und Jubeljahr. Ersteres wurde alle sieben Jahre begangen, das Jubeljahr fand hingegen jedes 50. Jahr statt (N.B.: Auf diesen zeitlich großen Abstand ist unsere Redensart, das passiert nur alle Jubeljahre, zurückzuführen): „Du sollst sieben Jahreswochen, siebenmal sieben Jahre zählen; die Zeit von sieben Jahreswochen ergibt für dich neunundvierzig Jahre. Im siebten Monat, am zehnten Tag des Monats, sollst du das Signalhorn ertönen lassen; am Versöhnungstag sollt ihr das Horn im ganzen Land ertönen lassen. Erklärt dieses fünfzigste Jahr für heilig und ruft Freiheit für alle Bewohner des Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr“ (Lev 25, 8-10). Der Begriff „Jobel” im Alten Testament bezog sich in erster Linie auf den Schall der Schofar – Hörner, die das Jahr einberiefen. Wortverwandtschaften bestehen auch zu den Begriffen Schall, Jubel und Befreiung. In der lateinischen Bibelübersetzung der Vulgata wurde der Begriff mit „Jubiläum” wiedergegeben (annus jubilei).

Heiliges Jahr

Der Begriff Heiliges Jahr meint ein besonderes Jahr der Umkehr und des Pilgerdaseins. Es entwächst der alttestamentlichen Tradition der „Jobeljahre“ (→Jubeljahr), worauf ausdrücklich erstmals die Einberufungsbulle Clemens VI. für das Heilige Jahr 1350 verweist.

Nach Auffassung von Papst Franziskus soll das Heilige Jahr 2015/2016 dafür stehen, „wie die Kirche ihre Sendung, Zeugin der Barmherzigkeit zu sein, deutlich machen könnte. Es ist ein Weg, der mit einer geistlichen Umkehr beginnt; und diesen Weg müssen wir gehen. Darum habe ich mich entschieden, ein außerordentliches Jubiläum auszurufen, in dessen Zentrum die Barmherzigkeit Gottes steht. Es wird ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit sein. Wir wollen es im Licht des Herrenwortes leben ‚Sei barmherzig wie der himmlische Vater‘ (vgl. Lk 6,36).

Gnadenjahr

Das Jubeljahr wird als besonderer Aspekt der Prophetie des Jesaja im Exil des Volkes Israel als Gnadenjahr bezeichnet, wenn es heißt: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe…” (Jes 61,1-2a). Der Prophet nennt die zum Jubeljahr gehörenden Elemente, die in der Verbannung als Hoffnungsvision für ein solches Gnadenjahr genannt werden.

Dauer des Heiligen Jahres

In der Kirchengeschichte hat es zunächst keine genauen Anweisungen über die Dauer des Heiligen Jahres von exakt einem Jahr gegeben. Erst Paul II. verfügte 1470, dass ein Heiliges Jahr jeweils von einem bis zum nächsten Weihnachtsfest dauern solle. Für das Heilige Jahr 2015 hat Papst Franziskus festgelegt, dass das Heilige Jahr am 8. Dezember 2015 im Petersdom beginne und am 20. November 2016 endet.

Bedeutung der Heiligen Pforten

Der Brauch der Heiligen Pforte wurde erstmals zum Heiligen Jahr 1400 im Zusammenhang mit der Lateranbasilika erwähnt und später auf die anderen Papstkirchen ausgeweitet. In einem überlieferten Brief aus Rom vom 28. März 1400 heißt es: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden die Schuld und Sündenstrafen nachgelassen. Es ist ein Wunder, das die Menschen erleben … Wenn du also in das Paradies gelangen willst, dann gelingt das.”

Auch unter Martin V. ist die Pforte im Heiligen Jahr 1423 dokumentiert, erst Alexander VI. ließ ein eigenes liturgisches Zeremoniell etablieren. Durch diese Pforte sollen die Pilger die „Schwelle” überschreiten, um sich mit Gott zu versöhnen. Der Gedanke wird später besonders auf das Überschreiten der „Schwelle zu den Apostelgräbern”, ad limina apostolorum, ausgeweitet. Beim dreifachen Hammerschlag zur Öffnung der Pforte wird der Psalmvers Ps 118, 19 f., „Aperite mihi portas justitiae. Haec porta Domini, justi intrabunt in eam. Introibo ad domum tuam“ („Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein.“), gesungen.

Mit der Öffnung der Heiligen Pforte am 8. Dezember 2015 im Petersdom beginnt das Heilige Jahr, die Schließung am 20. November 2016 kennzeichnet das offizielle Ende. Die Öffnung der Heiligen Pforten an den anderen Patriarchalbasiliken erfolgt mit kurzer zeitlicher Verzögerung.

Quelle: Glossar